Vom Bandscheibenvorfall zurück ins Leben
Wie Dackelterrier Bennie nach einem Bandscheibenvorfall wieder laufen lernte
Eine Begegnung auf dem Spaziergang
Auf den täglichen Spaziergängen kommt man immer wieder mit neuen Menschen ins Gespräch und erfährt ab und zu eine wirklich aussergewöhnliche Geschichte. So zuletzt geschehen ...
Ein Dackelterrier mit einem etwas ungewöhnlichen Gang ist uns über den Weg gelaufen - natürlich nicht alleine. Sein Name ist Bennie und er ist sechs Jahre alt. Dass dieser kleine Hund eine der beeindruckendsten Geschichten mit sich trägt, war ihm auf den ersten Blick nicht anzusehen. Der absurd wirkende Gang im Gegenzug dazu allerdings auf den ersten Blick
Der Tag, an dem kein Empfangskomitee kam
Bennies Halterin - oder sollte man Frauchen sagen? - kam vor etwa vier Jahren von der Arbeit nach Hause und wunderte sich sofort: Kein Empfangskomitee, kein wedelnder Hund und keine Begeisterungsstürme an der Tür. Etwas verunsichert suchte sie die Wohnung ab und fand Bennie schliesslich auch. Mit gelähmten Hinterbeinen, er konnte nicht mehr gehen. Welche Schockwirkung das hat, kann sich sicherlich jeder vorstellen. Man verlässt das Haus und alles scheint in Ordnung, man kommt zurück und die Welt steht plötzlich Kopf.
Und genau hier beginnt Bennies äusserst interessante Reise. Achtung, Spoiler: Es wird alles gut.
Der Schock - von Tierarzt zu Tierarzt - und eine unvorstellbare Empfehlung
Die erste Reaktion war selbstverständlich: sofort als Notfall zum Tierarzt. Aus einem Tierarzt wurden dann am Ende ganze drei. Undd dem ersten Schock folgte zeitnah und wie aus dem Nichts noch ein weiterer: die Empfehlung den Hund einfach einschläfern zu lassen.
Selbstverständlich ein Ding der Unmöglichkeit!
So endete der Weg schliesslich in einer Tierklinik, die auf genau solche Fälle spezialisiert ist. Hier wurde sich um Bennie gekümmert: eine ausführliche Operation und chirurgische Behandlung seines Bandscheibenvorfalls. Sein Rücken musste dafür an der Wirbelsäule zu etwa drei Vierteln geöffnet werden - es war also nicht nur ein einzelner Wirbel betroffen.
Ein Jahr ohne Besserung - und der schwere Mantel des Zweifels
Die Operation verlief erfolgreich, die Klinik wurde verlassen und es folgten anstrengende Monate der Genesung. Ein Laufen auf vier Beinen war aktuell nicht mehr möglich, auch das Halten von Exkrementen funktionierte nicht mehr und es brauchte auch noch Windeln. Die Situation war destaströs, aber sofort einschläfern? Den Hund der einen seit Jahren treu begleitet gezielt sterben und einschläfern lassen?
Nein, dieser Weg war keine Option. Stattdessen hat er die besten Voraussetzungen bekommen: Training, medizinische Unterstützung und Krankengymnastik. Seine Besitzerin hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun und hat ihn mit viel eigener Arbeit und Energie versucht optimal in der Heilung zu unterstützen.
Aus Wochen wurden Monate und aus Monaten wurde schliesslich ein ganzes Jahr, ohne dass es Bennie gesundheitlich spürbar besser ging.
Verständlich, dass sich in so einer Zeit Verzweiflung breitmacht und sich Fragen stellen: Hat man überhaupt das Richtige getan? War das im Sinne des Hundes? Hat Bennie nun wirklich ein besseres Leben? War die OP überhaupt notwendig und richtig?
Der schwere Mantel des Zweifels legte sich über diese Angelegenheit.
Der Wendepunkt im dreizehnten Monat
Dann, nach in etwa einem Jahr - im dreizehnten oder vierzehnten Monat - kam die plötzliche Veränderung: Bennie konnte langsam und vorsichtig seine Beine wieder bewegen. Was im Normalfall eine Kleinigkeit ist, stellte in Anbetracht der ganzen Hintergrundgeschichte nichts Geringeres als eine Sensation dar.
Die Bedeutung dieser Situation ist schwer in Worte zu fassen und damit waren die Zweifel wie weggeblasen. Das Signal dass sich die ganze harte Arbeit gelohnt hat war da und nun konnte der Beweis alles richtig gemacht zu haben nach einem ganzen unendlich langem Jahr angetreten werden.
Eine kleine Anpassung des Trainings, die gute Betreuung und einige weitere Monate sorgten dann dafür, dass Bennie nun wieder einigermassen auf vier Beinen laufen kann. Etwas holprig und hakelig, aber er läuft selbstständig. Sogar seine Inkontinenz hat sich vollständig zurückentwickelt.
Prognose vorher - Prognose danach
Die Prognose für Bennies weitere Entwicklung ist für den Patienten eine äusserst erfreuliche. Und im Hinblick darauf dass es sogar die Empfehlung ihn einzuschläfern gegeben hat, ist das eine unglaubliche Entwicklung. Es besteht die realistische Möglichkeit, dass ein vollständig normales Gehen und Laufen wieder möglich sein wird. Die bestehende Einschränkung, die laut Klinik bleiben wird, ist, dass er wahrscheinlich nie mehr gross springen können wird. Bei einem derartigen Erfolg aber eine durchaus akzeptable Einschränkung.
Was diese Geschichte und Bennie uns damit zeigen
Diese Geschichte zeigt, wozu das Team aus Mensch und Hund in der Lage ist. Und sie zeigt zudem, wie stark Hunde sein können. Bennie hat nicht aufgegeben, seine Halterin auch nicht. Über ein Jahr lang wurde trainiert, behandelt und gehofft, bevor sich der erste Erfolg einstellte. Aufgeben war niemals eine Option und der Kampf war erfolgreich, ein normales Leben ist wieder möglich.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft: Heilung braucht manchmal Zeit. Viel mehr Zeit, als einem lieb ist. Und diese Geduld wird oft belohnt - siehe Bennie. Von vemeintlich querschnittsgelähmt mit Eutanasie Empfehlung zurück zu einem selbstständigen und grössenteils erholten Dackelterrier. Der Gang etwas holprig, der Hund aber selbstständig und voller Lebensfreude.
Eine Geschichte, die Mut macht - und die wir uns merken sollten, wenn es einmal schwierig wird. Nicht jede Diagnose ist ein endgültiges Urteil.





